Archiv für die Kategorie „Geschriebenes“

Noch’n Gedicht

Freitag, 27. März 2009

Und hier ein weiteres Rätsel. Erkennt jemand das Original dieses Gedichtes?

Der Bauer

Unter einer dicken Linde
macht’s der Bauer mit dem Rinde.
Macht doch Sinn, ne? Mit ‘ner Ratte
auf ‘ner Matte - keine Latte.
Rind und Bauer sind ganz leise
wie ‘ne Kohlmeise auf Reise.

Doch der Bauer findet’s schade,
dass das Rind beißt in die Wade
seines Beines, oh jawohl,
wie in Kohl - ihm wird unwohl.
Bald wird aus dem Rind Tatar,
bald ist’s aus, das ist jetzt klar.

Also gab es einen Stich
worauf beim Rind das Leben wich,
mittenrein, und zwar in echt,
in des Rindes - nicht Gemächt -
sondern Hals und ganz gerade.
Schade um die fade Wade.

Unter einer dicken Linde
isst der Bauer was vom Rinde.

Markus Doedt

Wer übrigens in der ersten Strophe Probleme bei der Interpretation derselbigen hat, für den gebe ich hier eine kleine Interpretationshilfe: Es ist mit “macht’s der Bauer mit dem Rinde” der Vorgang des Melkens gemeint, und mit “Latte” meine ich die Milch, wie jedem klar sein sollte, der Italienisch spricht. :-) Die erste Strophe beinhaltet also nichts anzügliches, wie vielleicht jemand vermuten könnte.

Gedichte raten

Donnerstag, 26. März 2009

Ich habe mir mal ein schönes, kleines Spiel mit Gedichten ausgedacht: Ich nehme ein bekanntes Gedicht und schreibe dann ein neues Gedicht, welches die gleichen Reime benutzt wie das Original, das gleiche Versmaß und die gleiche Silbenzahl und Betonung. Das neue Gedicht klingt also fast genau wie das Original, nur dass der Inhalt ein komplett anderer ist. Heraus kommen meist eher Nonsens-Texte, da die Anzahl der sich reimenden Wörter doch sehr begrenzt ist. Also, los geht’s! Wer herausfindet, was das Orignalgedicht ist, und von wem es ist, der ist herzlich eingeladen, dies in einem entsprechenden Kommentar kundzutun. Ich werde mich in Zukunft auch bemühen, hier neue Gedichträtsel zu veröffentlichen. Wer selbst Spaß daran findet, kann ja auch eigene Aufgaben posten (entweder hier als Kommentar oder in seinem eigenen Blog - falls sowas vorhanden ist).

Der Kletterer

Kletterer geht mit der Hand,
Aber nicht mit seiner Hüfte,
Tief auch in die kleinsten Klüfte,
Die er findet an der Wand.
Auf die Gipfelkron’
Will er heute kommen.
Schöne Aussicht ist sein einz’ger Lohn.
“Klettern, ja das ist’s!”
Hat man von ihm vernommen.

Markus Doedt

Der Informatiker

Donnerstag, 12. März 2009

Und nun mal ein Gedicht aus eigener Feder. Dieses Gedicht habe ich übrigens gerade in ca. 5 Minuten zusammengedichtet. Ich weiß nicht, ob man das sofort merkt. ;-)

Der Informatiker

Mit Algorithmen, Bits und Bytes,
Programmen und Prozessen
kennt er sich aus, soweit ich weiß,
er ist gar ganz versessen.

Doch häufig denken viele Leut,
dass Informatik gestern, heut,
und morgen sowie übermorgen,
forscht am Lindern von den Sorgen,
die man mit Word und Excel hat,
und wenn im Drucker klemmt ein Blatt,
und wenn das Windows mal nicht läuft,
sich Virus über Virus häuft,
wenn der Computer ist zu lahm,
er gar nicht in die Pötte kam.

Drum überlege jeder mal,
ob Physiker sind erste Wahl,
wenn das TV macht nur noch Rauch,
denn Physik ist das ja auch.

Markus Doedt

Rezept

Mittwoch, 11. März 2009

Und weil’s so schön war, nach “Logik” noch ein Ringelnatzgedicht aus Kuttel Daddeldu:

Rezept

Man mische 7 Pfund Palmin
Mit gleichviel Milch und Terpentin.
Dann füge man ein Hühnerei
Und etwas Öl nebst Essig bei.
Dies nun zu festem Brei gerührt,
Wird dann in einen Strumpf geschnürt.
Das Ganze läßt man 13 Wochen
In lauem Seifenwasser kochen.

Dann wird es mit Gelee garniert
Und im verdeckten Topf serviert.
(Doch halte man zu rechter Zeit
Ein offnes Töpfchen sich bereit.)

Joachim Ringelnatz

Logik

Dienstag, 10. März 2009

Ich mag heitere Lyrik, also Gedichte, die mich zum Lachen bringen - wie zum Beispiel die Werke von Heinz Erhardt. Noch ein paar Jahre eher gab es einen anderen Lyriker, der mindestens genauso viel Anerkennung verdient: Joachim Ringelnatz (der eigentlich Hans Gustav Bötticher heißt). Er lebte von 1883 bis 1934 und sein bekanntestes Werk ist wohl der Gedichtband Kuttel Daddeldu. Aus diesem stammt zum Beispiel folgendes schönes, kleines Gedicht mit dem Titel “Logik”. Gerade ich als Informatiker sollte mich da ja besonders gut mit auskennen.

Die Nacht war kalt und sternenklar,
Da trieb im Meer bei Norderney
Ein Suahelischnurrbarthaar. –
Die nächste Schiffsuhr wies auf drei.

Mir scheint da mancherlei nicht klar,
Man fragt doch, wenn man Logik hat,
Was sucht ein Suahelihaar
Denn nachts um drei am Kattegatt?

Joachim Ringelnatz